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Vom Prinzenpark zum Punktepark

31.10.2007

Mitte der 90er Jahre war der Parc des Princes von Paris Saint-Germain für die Gäste eine zumeist uneinnehmbare Festung. Dieser Zustand änderte sich in den letzten drei Spielzeiten signifikant und setzte sich bislang auch in der neuen Saison nahtlos fort.

Der Start von Paris Saint-Germain (PSG) in die Saison 2007/2008 verlief alles andere als wunschgemäß. Zwar kassierten die Hauptstädter in den fünf bisherigen Auswärtsspielen noch keine Niederlage, aber im heimischen Parc des Princes klemmt es gewaltig. Nach drei Remis und drei Niederlagen vor eigenem Publikum wollte PSG die Talfahrt am 12. Spieltag ausgerechnet gegen Tabellenführer Olympique Lyon stoppen, was erwartungsgemäß mit 2:3 misslang. Ben-Arfa legte mit einem Doppelpack bereits zur Pause für den Favoriten vor (41., 43.). Immerhin gelang Pauleta nach der Pause ebenfalls ein Doppelpack für die Gastgeber (61., 90.), doch spätestens der zweite Treffer des portugiesischen Mittelstürmers hatte nur noch kosmetischen Wert, da Govou mit dem 1:3 in der 81. Minute für eine Vorentscheidung gesorgt hatte. Die Heimmisere der Pariser, die zuletzt am 19. Mai 2007 zu Hause gewannen, ist allerdings nicht erst seit dieser Saison augenfällig. Schon in der vergangenen Spielzeit wäre PSG abgestiegen, wenn es ausschließlich nach der Heimtabelle gegangen wäre. Und auch die Heimbilanzen der beiden vorhergehenden Spielzeiten waren nur mittelmäßig.

Die Gründe für die sportliche Talfahrt von PSG in den letzten Jahren sind nach der Neuen Zürcher Zeitung bereits in den Erfolgszeiten des Clubs Mitte der 90er Jahre zu suchen. So betrieb der Verein eine Personalpolitik, die verstärkt auf Superstars statt auf die Förderung von eigenen Talenten setzte. Der erwartete Erfolg trat allerdings nur phasenweise ein. Mittelfeldplatzierungen wechselten sich mit Spitzenplätzen Jahr für Jahr ab. Daran änderte auch die dreijährige Spielzeit von Ronaldinho (2001-2004) nichts, der mit dem Team in der Liga einen vierten Platz (2002) und einen zweiten Platz (2004) verzeichnen konnte. Zudem sicherte sich Paris in den Jahren 2004 und 2006 den französischen Pokal. „In Paris ist zwar inzwischen der Wert der Ausbildung junger Talente erkannt worden, doch bedingt dies einen längeren Prozess, wie die gegenwärtige Klassierung zeigt. ... Bei der Heimniederlage am Sonntag gegen Lyon standen immerhin fünf Pariser auf dem Platz, die dem eigenen Ausbildungszentrum entstammen. Dennoch kündigt sich der weitere Saisonverlauf des Vereins (Etat von 70 Millionen Euro) als reine Überlebensübung an,...“

Diese Entwicklung war zu Beginn des Paris Saint-Germain Football Club noch nicht zu erkennen, der nach Informationen der vereinseigenen Website am 12. August 1970 von einer Gruppe Pariser Persönlichkeiten ins Leben gerufen wurde, die sich für die französische Hauptstadt eine Mannschaft mit landesweiter Strahlkraft wünschten. Der neu geschaffene Verein trat die Nachfolge von Saint-Germain-en-Laye in der damaligen zweiten Liga Frankreichs an. Zum einjährigen Geburtstag stand PSG bereits als Meister und Aufsteiger in die oberste Spielklasse fest. Doch die Freude über den Aufstieg währte kaum ein Jahr. Als der französische Fußballverband 1972 die Profivereine zum Einsatz von Amateur- und Nachwuchsteams verpflichtete, musste PSG in die dritte Liga absteigen, da es diesen Unterbau damals noch nicht hatte. Die meisten Profis wechselten sofort zum Lokalrivalen Paris FC. Die Erfolgsgeschichte des neuen Vorzeigeclubs war damit jedoch nur aufgeschoben. Zwei Aufstiege in den folgenden beiden Spielzeiten führten PSG ganz schnell wieder ins Oberhaus zurück. Und auch finanziell ging es dem Verein durch den Einstieg von Daniel Hechter als Präsident gut, der dem Verein 1974 den Profistatus ermöglichte. Ironie des Schicksals, dass parallel zum Aufstieg des PSG ausgerechnet Paris FC aus der ersten Liga abstieg.

In der zweiten Hälfte der 70er Jahre belegte der Verein zumeist einen Platz im Mittelfeld. Die erste Trophäe wanderte am 15. Mai 1982 in die Vitrine der Pariser, als sie im Finale des französischen Pokals Saint-Etienne besiegten. Gut ein Jahr später, es war der 11. Juni 1983, konnte PSG dieses Kunststück gegen Nantes wiederholen. Im gleichen Jahr belegte der Verein erstmals den dritten Platz in der Liga. Der erste Meistertitel folgte im Jahr 1986, als die Mannschaft 26 Spiele hintereinander nicht verlor und sich damit den Platz an der Sonne sicherte. Auch international machte PSG auf sich aufmerksam, allerdings war die europäische Spitze in den 80er Jahren noch zu stark für den französischen Hauptstadtclub. In der Liga stellten sich derweil nur mittelmäßige Erfolge ein, ehe es im Jahr 1991 fast zum Konkurs gekommen wäre. Doch neue Verträge mit einem französischen Fernsehsender und der Stadt Paris spülten frisches Geld in die Kassen, das dem Verein finanziell und vor allem sportlich wieder auf die Beine half.

Den Anfang machte ein weiterer Pokalsieg im Jahr 1993, dem im Jahr 1994 die zweite Meisterschaft der Vereinsgeschichte folgte. Dabei wurde der bestehende Rekord von 26 Spielen ohne Niederlage auf 27 verbessert. Auch in den Folgejahren sammelte PSG Titel am Fließband. So wurden 1995 und 1998 jeweils der französische Pokal, Ligapokal und Supercup in einer Spielzeit gewonnen. Dazwischen lag der Höhepunkt auf internationaler Ebene mit dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger am 8. Mai 1996 gegen Rapid Wien. Ein Jahr später erreichte ein stark verjüngtes Team erneut das Endspiel im Cup der Pokalsieger, hatte aber gegen den FC Barcelona das Nachsehen. Bis zur Jahrtausendwende erlebte der Club Höhen und Tiefen, die im Jahr 2000 mit der Vizemeisterschaft endeten. In den folgenden Jahren wurde aus dem sportlichen Wechselbad eine handfeste Krise, die den Dino der Ligue 1 derzeit an den Rand der Zweitklassigkeit drängt.

Kai Endres

Letzte Aktualisierung: 2011-07-18 04:11:38 +0200 (CEST)