06.01.2009
Während es Olympique Lyon an der Tabellenspitze ungewohnt knapp zugehen lässt und die Konkurrenz noch vom Titel träumen darf, zeichnen sich hinter einem breiten Mittelfeld drei Abstiegskandidaten ab, deren Schicksal keineswegs besiegelt ist.
Wie erwartet ging Serienmeister Olympique Lyon nach dem 19. Spieltag [1] als Spitzenreiter in die Winterpause der Ligue 1, wenngleich der Vorsprung gegenüber den Mitbewerbern nur wenige Punkte beträgt. Schuld daran ist vor allem die Endphase der Hinrunde, als sich Lyon den Luxus erlaubte, lediglich vier seiner letzten fünf Spiele zu gewinnen. Nutznießer dieser Durststrecke war Vorjahres-Vizemeister Girondins Bordeaux, das mit seiner Heimstärke und einer kleinen Siegesserie vor Weihnachten den Rückstand zum Platz an der Sonne auf drei Zähler verkürzte. Doch auch der Rest der Spitzengruppe fand wieder Anschluss.
Auf dem dritten Rang fehlen Stade Rennes vier Punkte nach ganz oben, obwohl sich das Team erst eine Niederlage leistete. Aber insgesamt zehn Unentschieden verhinderten eine noch bessere Platzierung in der Halbzeittabelle. Weitaus weniger Remis weist Paris St. Germain auf, dafür aber sechs Niederlagen, die es vornehmlich auswärts setzte. Zu Hause konnte die Mannschaft ihre Heimkrise der Vorsaison [2] überwinden und sich dadurch nach einigen Jahren Abstinenz vorerst wieder in der Spitzengruppe etablieren. Dagegen sind die oberen Tabellenregionen für Olympique Marseille gewohntes Terrain, auch wenn sich die Mannschaft mit nur einem Sieg aus den letzten sechs Spielen ähnlich wie Lyon mit einer Negativserie in die Winterpause verabschiedete.
Hinter Platz fünf schielen noch OSC Lille, FC Toulouse und OGC Nizza auf die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb. Ihnen ist gemeinsam, dass sie einen schwachen Auftakt in die Saison im Verlauf der Hinrunde kompensierten. Lille und Toulouse machten anfangs sogar Bekanntschaft mit der Abstiegszone. Doch spätestens nach dem fünften Spieltag war die untere Tabellenhälfte für die drei genannten Vereine Tabuzone.
Das Mittelfeld ist nach der Hinserie breit und beginnt auf Platz neun mit dem FC Lorient und endet auf Rang 17 knapp über dem Strich mit St. Etienne. Dazwischen liegen unter anderem der beste Aufsteiger, Grenoble Foot, und UC Le Mans, die beide nach drei Siegen aus den ersten vier Spielen zunächst höhere Ziele verfolgten, jedoch schnell wieder den Boden der Realität erreichten. Auch AS Nancy-Lorraine gehört mittlerweile zum Niemandsland der Liga, nachdem es aus den ersten elf Partien nur einen Dreier gab. Für AS Monaco und AJ Auxerre ist das gesicherte Mittelfeld keine Verbesserung verglichen mit der Vorsaison.
Den Kontakt zum rettenden Ufer haben die letzten drei Mannschaften zur Winterpause schon leicht verloren. Einen dramatischen Absturz erlebte AFC Valenciennes, das zwei seiner ersten drei Partien gewann, dieses Gefühl aber anschließend 14 mal in Folge nicht auskosten durfte. Noch schlechter fällt die Zwischenbilanz des FC Sochaux aus. Nur einem Sieg stehen elf Unentschieden und sieben Niederlagen gegenüber. Doch in Zeiten der Drei-Punkte-Regelung sind Remis-Könige nicht gefragt. Am Ende ist Le Havre als schwächster Aufsteiger noch nicht in der neuen Spielklasse angekommen. Trotz eines Dreiers zum Auftakt, dem aber zu selten weitere folgten. Wer am Ende den Kopf aus der Schlinge ziehen kann und ob Lyon den achten Meistertitel in Folge holt, entscheidet sich ab dem 20. Spieltag [3].
Kai Endres
[1] http://www.langerball.de/franzoesische_liga/0809/19/
[2] http://www.langerball.de/textarchiv/vom-prinzenpark-zum-punktepark.html
[3] http://www.langerball.de/franzoesische_liga/0809/20/