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Torreicher Ausstand für Wosz
10.09.2007
Erstmals in der Vereinsgeschichte richtete der VfL Bochum ein Abschiedsspiel aus. Die Ehre wurde Dariusz Wosz (38) zuteil. Und wie es sich für einen Künstler gehört, zauberten er und seine Freunde zum Ende einer großen Fußballerkarriere 20 Tore auf den Rasen.
Es war für Fans und Spieler ein bewegender Moment, als der „Bochumer Junge“ am 8. September 2007 in der 80. Minute das Feld für die VfL-Legende Michael „Ata” Lameck räumte und vom weiten Rund ein letztes Mal begeistert gefeiert wurde. Zum Abschied der „Zaubermaus“ von der aktiven Karriere erwiesen ihm zahlreiche ehemalige Kollegen die letzte sportliche Ehre. Auf dem Rasen standen sich die Darek Allstars – mit ehemaligen Teamkollegen aus Bochum, Berlin und der Nationalmannschaft – sowie die UEFA Cup-Helden des VfL Bochum aus der Spielzeit 1996/1997 gegenüber. Mit viel Lust auf Fußball und Kabinettstückchen zeigten die ehemaligen und aktuellen Bundesliga-Akteure den 20.000 Besuchern an der Castroper Straße insgesamt 20 Tore. Das Spielgeschehen geriet spätestens in den letzten zehn Minuten zur endgültigen Nebensache, als Wosz den Platz verlassen hatte. Nach dem Schlusspfiff folgten noch einige Videobotschaften von Freunden, die an diesem Nachmittag nicht anwesend sein konnten, bevor es dann zum gemütlichen Teil überging. Dieser war allerdings für Wosz nicht nur von Ruhe geprägt, musste er doch zwischen seiner eigenen Feier und der Fangastro "8zehn48" pendeln. Der Trubel brachte den Umjubelten jedoch nicht aus der Feierlaune, in die sich mit der Zeit auch Musik, zahlreiche Ehrungen und Glückwünsche, ein Feuerwerk und das eine oder andere Bierchen mischten, die alle zusammen aus der Abschiedsparty ein rauschendes Fest machten, das bis in die frühen Morgenstunden andauerte.
Dariusz Wosz wurde am 8. Juni 1969 in Piekary Slaskie geboren. Früh hörte er auf den Spitznamen Darek, der für seine Freunde bis heute Bestand hat. Zum ersten Jahrzehnt seines Lebens erklärt Wosz auf seiner Website: „Ich habe Fußball geatmet, jede freie Sekunde habe ich mit dem runden Leder zugebracht. Daran, in einen Verein einzutreten, hatte ich als Kind allerdings keinen Gedanken verschwendet. Wir haben Ziegelsteine auf die Strasse gestellt und mit Kreide die Tore aufgemalt – und dann ging es los.“ Nachdem er mit seiner Familie 1980 nach Halle in die damalige DDR übersiedelte, erleichterte ihm der Fußball das Erlernen der bis dahin unbekannten deutschen Sprache. Von Motor Halle führte ihn seine Vereinskarriere ab dem elften Lebensjahr über Empor Halle zum Halleschen FC, wo er bis zum Jahr 1991 aktiv war. Sein spielerisches Talent verhalf ihm damals zu 47 Jugendauswahlspielen und sieben Länderspielen für die ehemalige DDR. Sein größter Erfolg in der Jugend war der Gewinn der Bronzemedaille bei der U20-Weltmeisterschaft 1987 in Chile.
Doch die wichtigste Zeit in seinem Leben sollte erst mit dem Wechsel zum VfL Bochum im Jahr 1991 kommen. „Mit dem VfL erlebte ich alle Höhen und Tiefen und habe dort Freunde fürs Leben gefunden.“ Zwei Abstiege, zwei Aufstiege und eine UEFA Cup-Teilnahme 1996/1997. Eine Spielzeit über die Wosz im Nachhinein sagt, dass es wohl die beste in seiner gesamten Karriere gewesen sei. „Das verdanke ich dem VfL, seinen Fans und dem Präsidium. Sie alle machten mich zum Nationalspieler und zu dem, was ich heute bin.“ Für die DFB-Auswahl bestritt Wosz in den Jahren 1997-2000 insgesamt 17 Länderspiele. Den zwischenzeitlichen Wechsel von Bochum zu Hertha BSC Berlin im Jahr 1998 wertete Wosz als sportlich richtige Entscheidung, denn schließlich durfte er dort das Gefühl der Champions League auskosten. Aber zu Beginn des neuen Jahrtausends waren die Dienste des 168 cm kleinen Mittelfeldmotors in der Hauptstadt nicht mehr gefragt. „Und dann ging es plötzlich ganz schnell. Die Rückkehr nach Bochum, wo ich immer noch ein Haus besaß, war perfekt und ich freute mich wahnsinnig, wieder zu Hause zu sein.“
In seiner neuen Heimat darf sich der Junge mit den polnisch-thüringischen Wurzeln nach dem Ende seiner Laufbahn nun auf weitere Herausforderungen einstellen. Seine Erfahrung aus fast 450 Einsätzen in der ersten und zweiten Bundesliga, bei denen ihm 64 Tore gelangen, und den 23 Spielen im Europapokal wird er zukünftig als Co-Trainer der Bochumer U19-Mannschaft vermitteln. Parallel dazu will die ehemalige Nummer 10 an der Fußballlehrer-Lizenz arbeiten. Ein Wiedersehen mit Dariusz Wosz in der Bundesliga scheint also nicht ausgeschlossen.
Kai Endres
Letzte Aktualisierung: 2011-07-18 04:11:38 +0200 (CEST)
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