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Schwere Tage für Feyenoord

23.01.2009

Für Feyenoord Rotterdam reißen die schlechten Nachrichten in der Saison 2008/2009 nicht ab. Einer verkorksten Hinrunde folgte im Januar die Entlassung von Trainer Verbeek und kurz darauf das Aus im Pokal. Die sportliche Zukunft ist ungewiss.

Feyenoord Rotterdam gehört neben dem PSV Eindhoven und Ajax Amsterdam zu den erfolgreichsten Fußballclubs der Niederlande. Die Bilanz der Titelgewinne spricht für sich: 14 Mal Meister (zuletzt 1999), 11 Mal Pokalsieger (zuletzt 2008) sowie erster niederländischer Gewinner des Europapokals der Landesmeister (1970) und zweifacher UEFA Cup-Sieger (1974 und 2002). Entsprechend hoch waren und sind die Erwartungen an die Mannschaft. Doch seit 2006 nahm eine sportliche Talfahrt ihren Lauf, die im Januar 2009 einen vorläufigen Tiefpunkt fand.

Die sportliche Krise bei Feyenoord begann im Sommer 2006 mit dem Verkauf von Leistungsträgern wie Salomon Kalou und Dirk Kuyt. Mit dem dadurch schwächer besetzten Kader reichte es zum Ende der Spielzeit 2006/2007 nur zu einem enttäuschenden siebten Platz. Damit wurde nach 16 Jahren erstmals die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb verpasst. Hinzu kamen im gleichen Jahr Probleme mit den eigenen Fans, deren Verhalten beim UEFA Cup-Spiel in Nancy zum Ausschluss von Feyenoord aus dem Wettbewerb führte.

Zur Spielzeit 2007/2008 reagierte der Club auf das schwache Abschneiden in der Vorsaison. Zunächst wurde Jungstar Royston Drenthe für 13 Millionen Euro an Real Madrid verkauft. Dafür sicherte sich Feyenoord die Dienste von erfahrenen Profis wie Roy Makaay und Giovanni van Bronckhorst, der schon in der Jugend und später auch als Lizenzspieler im Verein aktiv war, bevor er international Karriere machte. Hinzu kam mit Bert van Marwijk ein neuer Trainer, der die Geschicke der Mannschaft bereits zwischen 2000 und 2004 lenkte, ehe er anschließend für zwei Jahre zu Borussia Dortmund wechselte.

Aber trotz der genannten Veränderungen reichte es in der Liga erneut nur zum sechsten Platz. Doch zum Glück gab es noch den Pokal, den sich Feyenoord mit einem 2:0-Erfolg im Finale gegen Roda Kerkrade sicherte und damit zugleich die direkte Qualifikation für den UEFA Cup schaffte. 2008, das Jahr des 100-jährigen Vereinsjubiläums, schien gerettet. Die Freude über den Pokalsieg sollte jedoch nicht allzu lange vorhalten. So folgte zunächst im Sommer 2008 ein erneuter Trainerwechsel, da Bert van Marwijk als zukünftiger Nationaltrainer dem Verein nicht mehr zur Verfügung stand.

Als Ersatz für van Marwijk wurde Gertjan Verbeek verpflichtet, der zuvor vier Jahre beim SC Heerenveen erfolgreich gearbeitet hatte. Doch Erfolge blieben Verbeek bei Feyenoord nahezu gänzlich versagt. Ein kapitaler Fehlstart in die Saison 2008/2009 wurde lediglich von einer kurzen Erfolgsepisode im November unterbrochen, ehe sich die Negativserie bis zum Ende der Hinrunde nahtlos fortsetzte und auf Platz 12 endete. Dazu war auch im UEFA Cup nach vier Niederlagen in der Gruppenphase vorzeitig Endstation.

Daraufhin erklärte der Mannschaftsrat während der Vorbereitung auf die Rückrunde, dass zwischen Trainer und Team keine Vertrauensbasis mehr herrsche. Kapitän Giovanni van Bronckhorst musste Verbeek diese Entscheidung noch auf dem Platz mitteilen. Für van Bronckhorst war diese Situation nach eigener Aussage der schwerste Tag seiner gesamten Karriere. Doch die Entscheidung sollte den Weg ebnen, um wieder in die Erfolgsspur zu finden. Allerdings gingen auch die ersten beiden Spiele unter Interimstrainer Leon Vlemmings verloren.

In beiden Fällen hieß der Gegner ausgerechnet SC Heerenveen, der ehemalige Verein des gerade entlassenen Gertjan Verbeek. Heerenveen zeigte Feyenoord zunächst beim 3:1 zum Rückrundenauftakt die sportlichen Grenzen auf, um diesen Eindruck am 20. Januar 2009 im Achtelfinale des niederländischen Pokalwettbewerbs mit einem deutlichen 3:0 in Rotterdam zu bestätigen. Für Feyenoord galt der Pokal als letzter Strohhalm, um sich wie in der Vorsaison über diesen Weg für einen internationalen Wettbewerb zu qualifizieren. Doch diese Hoffnung ist dahin und mit ihr auch die Aussichten auf ein erfolgreiches 2009. Nun liegt es spätestens im Sommer an den Vereinsverantwortlichen, das schlingernde Schiff wieder auf Kurs zu bringen.

Kai Endres