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Rollstuhlfußball – elektrisch und manuell
12.12.2007
Dass Fußballspielen auch im Rollstuhl möglich ist, beweisen einige Länder schon seit mehreren Jahren. Der folgende Artikel bietet einen kurzen Einblick in eine Sportart, die international und national in unterschiedlichen Varianten gespielt wird.
International ist nur der Elektrorollstuhl-Fußball in einem Europa- und Weltverband organisiert. Das Spiel läuft dabei nach folgenden offiziellen Regeln ab: Gespielt wird auf einem Basketballfeld in der Halle. An jeder Kopfseite gibt es jeweils ein Tor, das durch zwei Pfosten begrenzt wird und eine Breite von sechs Metern aufweist. Ein Tor gilt als erzielt, wenn der Ball, der einen Durchmesser von 33 Zentimetern hat, die Torlinie in vollem Umfang überschreitet. Zum Spielen kann jeder Elektrorollstuhl verwendet werden, der am unteren Rand eine spezielle Stoßleiste („Bumper“) besitzt. Damit werden die Füße und Beine der Sportler vor Verletzungen geschützt und gleichzeitig der Ball gespielt. Eine Mannschaft besteht aus acht Spielern, von denen sich zu jeder Zeit vier auf dem Spielfeld befinden. Einer der Spieler fungiert als Torhüter. Auswechslungen erfolgen fliegend. Die Spielzeit beträgt 40 Minuten und wird in zwei Halbzeiten zu je 20 Minuten aufgeteilt. Eine begrenzende Bande gibt es nicht. Rollt der Ball ins Seiten- oder Toraus, gibt es entweder ein „Push in“ (vergleichbar mit dem Einwurf bzw. Einrollen des Balles), einen Abschlag oder einen Eckball. Besondere Regeln bestehen auch bei der Zweikampfführung. So darf der Gegner nur mit dem Bumper behindert werden. Eine Berührung mit einem anderen Teil des Rollstuhls führt zu einem Freistoß. Ein Zweikampf kann darüber hinaus nur zwischen zwei Gegenspielern ausgetragen werden.
Die Anfänge der Sportart sind schwer zu bestimmen. Bereits im Jahr 1983 veröffentlichte Thomas Franzkowiak in der Zeitschrift „Behindertensport“ einen Artikel zum Rollstuhlfußball in den USA. Nach seinen Angaben stand die Sportart damals noch am Anfang ihrer Entwicklung. Doch Powerchair football hat sich weiter durchgesetzt und führte das Team der Vereinigten Staaten zum Gewinn der ersten Weltmeisterschaft im Rollstuhl-Fußball 2007 im japanischen Tokio. Auf eine vergleichsweise lange Historie, beginnend Ende der 80er Jahre, können auch Frankreich, das im Finale der WM den USA knapp unterlag, und Dänemark zurückblicken. In beiden Ländern werden seit Anfang der 90er nationale Meisterschaften im Rollstuhlfußball ausgetragen. Darüber hinaus gibt es auch in England einen Spielbetrieb mit mehreren Ligen. Die dortige Wheelchair Football Association gründete sich im Jahr 2005 und konnte sich von Beginn auf die Unterstützung des englischen Fußball-Verbandes und einiger wichtiger Sponsoren verlassen, ohne die eine solche Sportart kaum durchführbar wäre. Zu den weiteren Mitgliedern des europäischen Verbandes (Belgien, Portugal, Türkei) lagen bis zum Abschluss des Artikels keine Informationen vor. Dem Weltverband gehören zusätzlich noch Kanada und Japan an.
In Deutschland konnte der Fußball mit Elektrorollstühlen bislang noch nicht Fuß fassen. Dies hat vor allem organisatorische Gründe, die einerseits im teuren Equipment und andererseits in den nicht immer zumutbaren Reisestrapazen für die Teilnehmer liegen. Im Kinder- und Jugendbereich hat sich derweil eine Variante des Rollstuhlfußballs etabliert, die ohne Elektronik auskommt. Andrea Schlicker, beim Rollstuhl-Sport-Club Frankfurt für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zuständig, hat Regeln für den Rollifußball entwickelt, die sich vom Elektrorollstuhl-Fußball in wesentlichen Punkten unterscheiden. So sind die Tore beim Rollifußball nicht auf eine Breite von sechs Metern begrenzt; die komplette Kopfseite des Basketballfeldes gilt als Tor. Das Spielfeld wird zusätzlich von Banden begrenzt und das Spielgerät (Gymnastikball) ist mit 50 bis 65 Zentimetern fast doppelt so groß wie bei der Elektronik-Variante. Der wesentliche Unterschied besteht im Spielen des Balles, der beim Rollifußball mit dem manuellen Rollstuhl mit den Händen gespielt wird. Im Gegensatz zum Fußball mit Elektrorollstühlen ist dazu mehr Beweglichkeit in Oberkörper und Armen erforderlich. Somit hat der Grad der Behinderung Einfluss auf die Spielart. Im Kinder- und Jugendbereich steht eher der Spaß an der Bewegung im Vordergrund. Denn auch Kinder im Rollstuhl können „Tore“ und nicht nur wie im Rollstuhlbasketball „Körbe“ machen. Aber auch Fußgängern und Erwachsenen macht diese Variante von Fußball in Rollstühlen großen Spaß.
Kai Endres
Wir danken Andrea Schlicker vom Rollstuhl-Sport-Club Frankfurt, die uns beim Schreiben des Artikels inhaltlich mit Rat und Tat zur Seite stand.
Letzte Aktualisierung: 2011-07-18 04:11:39 +0200 (CEST)
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