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Nowotny trat ohne Titel ab

10.10.2007

Statt Meisterschaften und Pokalen sammelte Jens Nowotny (33) reichlich Kreuzbandrisse. Die dadurch ständig wiederkehrenden Schmerzen zwangen den Abwehrmann im Januar 2007 zur Aufgabe seiner Profilaufbahn. Der endgültige Abschied folgte in Karlsruhe.

Taktisch klug hatte sich Nowotny die anstehende Länderspielpause für sein Abschiedsspiel ausgewählt. Dadurch konnten am 8. Oktober 2007 neben ehemaligen Mannschaftskollegen vom Karlsruher SC und Bayer Leverkusen auch aktuelle Nationalspieler ihrem scheidenden Kameraden die Ehre erweisen. Im Team „Mein Sommermärchen“ kamen dabei unter anderem Kevin Kuranyi, Gerald Asamoah, Clemens Fritz, Jens Lehmann und Per Mertesacker zum Einsatz, die mit Unterstützung der früheren Größen Thomas „Icke“ Hässler, Wolfgang Rolff oder Dirk Schuster den launigen Vergleich gegen das KSC Dream Team mit 8:6 (3:1) für sich entschieden. Im Kader der Badener waren vor allem die Europapokalhelden aus der Saison 1993 zu bewundern, denen allerdings mit zunehmender Spielzeit spürbar die Puste ausging. Höhepunkt einer an Kabinettstückchen reichen Begegnung war der Abschiedstreffer von Jens Nowotny (82.), als er eine Flanke von Sergej Kiriakov sicher vollstreckte.

Nowotny, am 11. Januar 1974 in Malsch geboren, hatte sich das Karlsruher Wildparkstadion als Spielort für seinen Abschied vom Profifußball gewünscht, da für ihn an diesem Ort seine Karriere vor gut 16 Jahren begann und sich damit der Kreis schließe. Nach seiner Jugendzeit beim SV Spielberg und Germania Friedrichstal wechselte er 1991 zum KSC, wo er die ersten Erfahrungen als Profi sammelte. 1996 führte ihn der Weg nach Leverkusen. Dort erlebte er sowohl sportliche Höhen als auch körperliche Rückschläge. Insgesamt vier Kreuzbandrisse (zwei in jedem Knie) führten dazu, dass Nowotny lediglich zu einem Länderspiel bei einer Weltmeisterschaft kam. Es war das Spiel um Platz drei bei der WM 2006 in Deutschland, als der Innenverteidiger nach eigenen Aussagen seinen absoluten sportlichen Höhepunkt erlebte. Titel sucht man bei Nowotny derweil vergeblich, der 334 Mal in der Bundesliga und 48 Mal in der Nationalmannschaft zum Einsatz kam. Anhaltende Knieprobleme zwangen ihn Anfang des Jahres 2007 zur Auflösung seines Vertrages bei Dinamo Zagreb.

In Zukunft wird sich Nowotny wohl vermehrt um seine Familie und seine Marketing-Agentur kümmern. Beides wird den einstigen Musterprofi weiter an das Bergische Land binden, wo er in den letzten Jahren heimisch wurde. Diese Tatsache und seine vermeintliche Geldgier in seiner Endzeit bei Bayer Leverkusen mischten sich ebenfalls in die zahlreichen jubelnden Pressestimmen zu seinem Abschiedsspiel. So tauchten neben dem häufig genannten Stichwort Musterprofi auch die Begriffe „Raffzahn“ und der „abgezockteste Profi unter der Sonne“ in den Berichten auf. Von derartigen Feindseligkeiten war bei seiner Ehrenrunde im Wildpark nach dem Schlusspfiff allerdings nichts zu spüren. Die gut 15.000 Fans erhoben sich von den Sitzen und applaudierten einem Mann, mit dem sie früher häufig genug gejubelt hatten und den sie wahrscheinlich lange Zeit nicht vergessen werden.

Kai Endres

Letzte Aktualisierung: 2011-07-18 04:11:38 +0200 (CEST)