Neue Regelspieltage ab der Saison 2009/2010

18.12.2008

Zum Beginn der Ausschreibungsphase für die Medienrechte bis 2013 stellte die DFL auch einen neuen Regelspieltag für die 1. und 2. Bundesliga vor, der schon ab der kommenden Saison greift und für mindestens vier Spielzeiten gelten soll.

Der neue Regelspieltag für die Bundesliga sieht ab der Saison 2009/2010 fünf Anstoßzeiten vor. Neu im Vergleich zur jetzigen Variante sind die Anstoßzeiten am Samstag um 18:30 Uhr und am Sonntag um 15:30 Uhr. Die 2. Bundesliga wurde um eine Anstoßzeit erweitert. Zusätzlich zum bislang üblichen Spieltag finden zwei Spiele am Samstag um 13:00 Uhr statt.

Das Aufstocken der Anstoßzeiten für die 1. und 2. Bundesliga folgt einem Trend, der in einigen internationalen Ligen längst Realität ist, wo vier bis fünf Anstoßzeiten pro Spieltag üblich sind. Angefangen hatte die Bundesliga in den 60ern mit einer Anstoßzeit, was sich in den 70er und 80er Jahren auf zwei und Ende der 90er auf drei Anstoßzeiten steigerte.

Doch während der neue Regelspieltag schon beschlossen ist, gehen die Meinungen darüber bisweilen sehr weit auseinander, was vor allem dem jeweiligen Blickwinkel geschuldet ist. So vertritt [1] DFB-Präsident Theo Zwanziger folgende Ansicht: „Die Liga hat einen sehr schwierigen Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit, Fan-Interessen, Zuschauer-Gewohnheiten und den Wünschen des Amateurfußballs in angemessener Weise bewältigt.“ DFL-Präsident Reinhard Rauball ergänzte: „Möglichst hohe Erlöse aus diesem Bereich sind kein Selbstzweck. Die Vereine benötigen die Einnahmen aus den Medienrechten nicht nur, um eine attraktive Liga mit großen Stars zu finanzieren, sondern auch um den Fans weiter günstige Ticketpreise und die modernsten Stadien der Welt bieten zu können.“

Eine ganz andere Sichtweise postulieren indessen diverse Faninitiativen, die hauptsächlich den regelmäßigen Stadionbesucher repräsentieren. „Fußball zur Mittagzeit, die Aufteilung auf bis zu vier Anstoßzeiten an einem Spieltag und die sehr späte Terminierung der Spiele wollen die Fans in den Stadien nicht hinnehmen.“ Philipp Markhardt von Pro-Fans ruft zum Protest [2] gegen den neuen Regelspieltag auf: „Wir wollen den Verantwortlichen der DFL zeigen, dass für uns Fans die Schmerzgrenze überschritten ist.“ Bei den Protesten gehe es übrigens nicht darum, den Fußball völlig kommerzfrei zu halten, sondern den nach Meinung der aktiven Fans „totalen Ausverkauf des Fußballs“ zu verhindern.

Daneben gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Interessengruppen, für die das neue Modell eher Vor- als Nachteile bringt. Die Vereine werden den neuen Regelspieltag begrüßen, weil durch neue Anstoßzeiten auch neue Zuschauer gewonnen werden können. Und da die meisten Clubs ohnehin als Kapitalgesellschaft organisiert sind, ist das Interesse an wirtschaftlichem Wachstum und mehr Umsatz sicher vorhanden. Auch bei den Medien dürften die neuen Pläne Zustimmung finden, denn mehr Anstoßzeiten sind gleichbedeutend mit mehr Möglichkeiten der Berichterstattung. Hinzu kommen alle aktiven Jugendsportler, die häufiger am Samstag Nachmittag ihrem Hobby nachgehen und denen Freitag oder Sonntag zeitlich zu spät ist. Diese können nun am Sonntag Nachmittag ein Fußballspiel besuchen. Dagegen steht der Amateurfußballer erstmals vor dem Dilemma, zumindest hin und wieder zwischen seinem Hobby und einem Bundesligaspiel wählen zu müssen. Dies gilt übrigens auch für andere Sportarten, bei denen die Amateure ihrem Hobby in der Regel am Sonntag frönen.

Kai Endres

[1] http://www.dfb.de/index.php?id=500014&no_cache=1&tx_dfbnews_pi1[showUid]=16242&cHash=7c4acf7a6e
[2] http://www.aktive-fans.de/01a9d793eb0025619/502764947d0ebab0a/035c5f9b0810c3501.html