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Fußballmuseen in den Niederlanden

29.10.2007

Die Niederlande verfügen mit fast 1.000 Museen über die größte Museumsdichte der Welt. Das Thema Fußball spielt jedoch inhaltlich nur eine Nebenrolle. In den Vereinsmuseen von Feyenoord Rotterdam und Ajax Amsterdam ist es umgekehrt.

Die museale Aufbereitung kulturhistorischer Exponate des Fußballs erlebt seit Anfang des 21. Jahrhunderts einen weltweiten Boom. Diese Entwicklung ging auch an Deutschland nicht spurlos vorüber. Neben temporären Ausstellungen rund um die WM 2006 entstanden die fest installierten Vereinsmuseen in Schalke, Bremen, Hamburg und Köln. Frankfurt, Dortmund und Berlin stehen kurz vor der Umsetzung bzw. Öffnung. An dieser Stelle lohnt sich ein Blick über die Landesgrenzen hinaus. In den Niederlanden stellen bislang zwei Vereine ihre Erfolge und Geschichte in einem Museum zur Schau – Feyenoord Rotterdam und Ajax Amsterdam. Nach Informationen der entsprechenden Stadionwebsite sollen in den Museen vor allem die bislang gewonnenen Pokale der Vereine zu bestaunen sein. Ein Eindruck, der sich bei einem Besuch vor Ort mehr oder weniger eindrucksvoll bestätigt.

„Home of History“ steht an der Eingangstür des Museums von Feyenoord Rotterdam, das sich im ersten Stockwerk des Stadions De Kuip befindet und täglich von 10:00-12:00 Uhr geöffnet ist. Zum Eintrittspreis von 2,50 Euro erwarten den Besucher auf ca. 150 Quadratmetern zahlreiche Vitrinen und Wandtafeln, die zumeist in Pokalen oder Bildern und nur selten in Worten von der bewegten und erfolgreichen Historie des Vereins und seiner berühmtesten Spieler berichten. Auf der rechten Seite des Raumes finden sich die eher unbekannten Pokale aus nationalen oder internationalen Vergleichen sowie einige Fotos aus der Frühgeschichte des Vereins. Die wichtigsten Trophäen werden auf der linken Seite des Raumes präsentiert. Angefangen vom niederländischen Meistertitel und Pokal über den Landesmeister Cup und den UEFA Cup. Weitere Informationen zu den präsentierten Exponaten sind in schriftlicher Form nicht verfügbar und werden in mündlicher Form erst im Verlauf einer Stadionrundführung gegeben. Freunde von bewegten Bildern können sich in einem Videoraum unterhalten lassen, an einer PlayStation ihr Geschick beweisen oder über einen Touchscreen E-Mail-Grüße direkt aus dem Museum versenden. Die wichtigsten Jahreszahlen zur Geschichte des Vereins sind neben dem Museum elegant, jedoch kaum sichtbar, in die äußere Glasfassade eingearbeitet.

Die Ausstellungsstücke von Ajax Amsterdam sind im „Ajax Museum“ zu bewundern. Während der regulären Saison ist das Museum von Montag bis Samstag von 9:30-17:00 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 3,50 Euro und ist nach Betreten des Haupteingangs der Amsterdam ArenA, am Empfang zu entrichten. Von dort führt der Weg den Besucher zunächst durch den gesamten Fan-Shop von Ajax, ehe am Ende des Raumes eine Wendeltreppe hinauf ins Museum führt. Dort angekommen fällt der Blick fast schon zwangsläufig auf die Vitrine der wertvollsten Pokale, die in der Mitte des Raumes aufgebaut ist. Um das gläserne Oval herum befinden sich in zwei Halbkreisen Erinnerungen an die wichtigsten internationalen Endspiele von Ajax. Neben dem Trikot des Gegners werden Fotos und ein Film mit den Highlights des jeweiligen Endspiels präsentiert. Die Hinterwand dieser beiden Halbkreise bildet mit den Außenwänden des gut 200 Quadratmeter umfassenden Raumes einen Rundgang. Die Ausstellungsstücke sind dabei chronologisch angeordnet und mit Nummern kenntlich gemacht, damit der Besucher im zwölfseitigen Faltblatt die entsprechende Information nachlesen kann. Zum Abschluss des Rundgangs folgt ein Videoraum mit Platz für ungefähr 20 Personen. Dort läuft ein fünfminütiger Film mit Toren und Jubelszenen als Dauerschleife. Am Ausgang des Museums erblickt der Besucher noch eine Wand mit allen Ajax-Spielern, die jemals für die niederländische Nationalelf aktiv waren.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Sammlung von Exponaten durch Feyenoord Rotterdam und Ajax Amsterdam ein löblicher und schöner Ansatz ist, der an der einen oder anderen Stelle noch optimiert werden kann. So fehlt in beiden Ausstellungen eine Dokumentation der jeweiligen Fankultur des Vereins. Zusätzlich drängt sich in Rotterdam der Verdacht auf, dass dem Museum keine große Bedeutung beigemessen wird. Dies lässt sich vor allem im offiziellen Stadionheft erkennen, in dem das Museum nur in einem Satz erwähnt wird. Hinzu kam, dass zum Besuchszeitpunkt eine Hälfte des Raumes nicht beleuchtet war, der Videoraum im Dunkeln lag und die PlayStations nicht funktionierten. Ähnliches war in Amsterdam nicht zu beobachten. Allerdings fehlten dort jegliche Elemente der interaktiven Ablenkung. Ein Willkommen-Schild am Ausgang des Museums sorgte darüber hinaus für Verwunderung.

Kai Endres

Letzte Aktualisierung: 2011-07-18 04:11:38 +0200 (CEST)