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Fränkisches Déjà-vu
04.06.2008
Als der 1. FC Nürnberg 1968 Meister in der Bundesliga wurde, hatten nur große Pessimisten für die Folgesaison den Abstieg auf dem Schirm. Ein vergleichbares Szenario bot sich dem Club nach dem Pokalerfolg 2007. Und es endete wie vor knapp 40 Jahren.
Wiederaufstieg lautet das Motto für den 1. FC Nürnberg in der Saison 2008/2009. Personell soll es dabei nur im Kader Veränderungen geben. Denn nur einen Tag nach dem sicheren Abstieg aus der Bundesliga wurde am 18. Mai 2008 die sportliche Führung Martin Bader (Sportdirektor) und Thomas von Heesen (Trainer) im Amt bestätigt. Gleichzeitig wagte Präsident Michael A. Roth einen positiven Blick in die Zukunft: „Die Enttäuschung über den Abstieg ist gewaltig. Dennoch: Wir haben den Verein in den vergangenen Jahren auf stabile Füße gestellt und so die Grundlage geschaffen, einen sportlichen Misserfolg wie in diesem Sommer verkraften und revidieren zu können.“ Der Optimismus in der Frankenmetropole scheint also ungebrochen, was die Geschehnisse des vergangenen Jahres nicht unbedingt hergaben. Offensichtlich wurde viel zu lange die wahre Realität verkannt, was sowohl einigen blendenden Ereignissen und auch Spielen geschuldet war.
Die ersten Blendgranaten zündeten die Nürnberger in der Spielzeit 2006/2007. Mit bisweilen überdurchschnittlichen Leistungen errang der Club in der Liga den sechsten Platz und feierte zum krönenden Abschluss noch den Triumph im DFB-Pokal. Doch dass gerade der Pokal seine eigenen Gesetze hat, wäre Nürnberg fast schon zum Verhängnis geworden. So reichte es zum Auftakt beim Oberligisten BV Cloppenburg nur zu einem mageren 1:0. Dem folgten eine Entscheidung in der Verlängerung beim SC Paderborn (2:1) sowie zwei dramatische Siege im Elfmeterschießen gegen die SpVgg Unterhaching (2:1) und Hannover 96 (4:2). Erst in der Vorschlussrunde gegen Eintracht Frankfurt (4:0) sowie im Endspiel gegen den VfB Stuttgart (3:2) spielten die Cluberer den Traumfußball, von dem die Fans noch lange träumten. Die Nachwirkungen des größten Erfolgs in der jüngeren Vereinsgeschichte wirkten weit über das eigentlich Ereignis hinaus.
Im August 2008 belebte der Verein mit der Ausstellung des Pokals noch die Erinnerung, während parallel dazu in der neuen Saison die ersten beiden Heimspiele verloren wurden. Dem folgten weitere sechs Partien ohne Dreier, die Nürnberg nach dem 9. Spieltag in die Zone des Abstiegs spülten. Doch Anfang Oktober sorgten weitere blendende Spiele für den Eindruck, dass ein derart gut bestückter Kader niemals absteigen könne. Zunächst gab es das Weiterkommen in der ersten Runde des UEFA Cups gegen Rapid Bukarest. Dem schloss sich kurz darauf ein 5:1-Kantersieg gegen Eintracht Frankfurt an, der zum Verlassen der Abstiegsränge führte und viel zu früh als Kehrtwende gedeutet wurde. Drei weitere Pleiten später war der Verein in der Liga wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Trotz zweier Heimerfolge zum Abschluss der Hinrunde stand als bittere Wahrheit unter dem Weihnachtsbaum der drittletzte Platz. Auch im Pokal war bereits in der zweiten Runde beim FC Carl Zeiss Jena – dem späteren Pokalschreck – Endstation. Geschönt wurde die Bilanz durch die Auftritte in Europa, wo der Club nach einem Remis in St. Petersburg (immerhin dem späteren Cup-Sieger) sowie Siegen über Alkmaar und in Larisa sensationell den Sprung in die dritte Runde schaffte.
Mit frischem Mut und altem Trainer ging es somit in die Rückrunde, die schon nach zwei Spieltagen zur Beurlaubung von Hans Meyer führte, dem nach einigem Zögern von Vereinsseite nun doch die sportliche Misere angelastet wurde. Als Meyers Nachfolger wurde Thomas von Heesen installiert, der sein Zepter geraume Zeit mit wenig Erfolg schwang. Bereits zum Auftakt seiner Mission Klassenerhalt erlebten die Nürnberger vor heimischer Kulisse das bittere Aus im Europapokal gegen Benfica Lissabon. In der Folge ging es auch in der Bundesliga weiter bergab. Auswärts lief nicht viel, zu Hause gab es nur Remis. Erst als der Gegner erneut Eintracht Frankfurt hieß, tauchte wieder ein Lichtstreif am Horizont auf. Obwohl sich einige Club-Fans beim Gastspiel im Hessenland weit daneben benahmen, überzeugte die Mannschaft auf dem Rasen. Mit 3:1 wurde Frankfurt ein zweites Mal in der laufenden Saison besiegt und wieder der Anschluss zum rettenden Ufer gefunden. Allerdings wurde es perspektivisch schnell wieder dunkel. Zwei Spieltage vor Saisonende stand der 1. FC Nürnberg mit dem Rücken zur Wand. Dennoch sollte sich am 10. Mai 2008 mit einem Sieg im Abstiegsendspiel bei der Berliner Hertha ein Kreis erfolgreich schließen, der seine erste Rundung an gleicher Stätte mit dem Pokalsieg 2007 erfuhr. Doch die Jubelbilder nach dem Spiel gehörten nur den Hauptstädtern. So ruhte die Hoffnung auf dem finalen Spiel gegen Schalke 04. Doch ausgerechnet gegen die Knappen hatte Nürnberg zuletzt 1999 ein Heimspiel gewinnen können. Diese Negativserie setzte sich am 17. Mai 2008 fort und führte den Club zurück in die Zweitklassigkeit. Für den Rekordabsteiger kein ungewohntes Gefühl, wenngleich fast bis zum Schluss kaum jemand damit rechnete. Vielleicht war genau das der Fehler.
Kai Endres
Letzte Aktualisierung: 2011-07-18 04:12:06 +0200 (CEST)
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