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Erlebnisreise in die Fußballwelt

09.03.2009

Im September 2007 eröffnete im belgischen Genk ein Fußballmuseum der besonderen Art. Sein Name: GoalMine. Mit seinen zahlreichen Interaktionsmöglichkeiten entführt es die Besucher spielerisch und viersprachig in die bunte Welt des Fußballs.

Genk liegt im Nordosten Belgiens in der Provinz Limburg unmittelbar an der Grenze zu den Niederlanden. Mit dem Auto ist die Stadt von Köln aus in einer guten Stunde und von Aachen aus in einer guten halben Stunde erreichbar.

Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte Genk seinen wirtschaftlichen Aufstieg als Kohlerevier. Seit dem Ende der Kohlebergwerke in den 60er und 80er Jahren fungiert vor allem die Automobil- und Stahlindustrie als Jobmotor für die knapp 65.000 Einwohner. Prominentester Fußballverein der Stadt ist der Koninklijke Racing Club Genk, kurz KRC Genk, der im Jahr 1988 aus einer Fusion von KFC Winterslag (gegründet 1923) und Thor Waterschei (gegründet 1919) entstand. Die beiden Meisterschaften in den Jahren 1999 und 2002 zählen bis dato zu den größten Erfolgen des Vereins, dessen Spielstätte seit 1. Juni 2007 den Namen Cristal Arena (vormals Fenixstadion) trägt. Es ist eines der modernsten Stadien in Belgien, mit vollständiger Überdachung, Rasenheizung und Platz für 25.000 Zuschauer.

Im Bauch des Stadions befindet sich am Rand der Haupttribüne der Eingang zu GoalMine. Eine Besonderheit dieses Fußballmuseums offenbart sich bereits im Eingansbereich. Denn neben einigen wichtigen Pokalen und Devotionalien des Vereins wird der Besucher auf einer Informationstafel viersprachig begrüßt. Diese Viersprachigkeit (Englisch, Französisch, Niederländisch und Deutsch) endet nicht am Eingang, sondern zieht sich, von einigen Ausnahmen abgesehen, durch das gesamte Museum, das zunächst als Vereinsmuseum des KRC Genk konzipiert wurde. Doch mangels Masse wurde daraus ein interaktives Fußballmuseum, in dem Menschen unterschiedlicher Nationen in ihrer Landessprache die Welt des Fußballs entdecken können. Die einzelnen Ausstellungsräume sind dem Gang durch ein Bergwerk nachempfunden.

Der erste Teil des Museums präsentiert in zwei Räumen die Vereinsgeschichte des KRC Genk. Im ersten Raum befindet sich ein Mini-Kino mit 27 ehemaligen Business Seats vom Stadionumbau 2007. Gezeigt wird ein 20-minütiger Film mit den sportlichen Highlights des Vereins ab der Saison 1997/1998. Zwar läuft der Film auf niederländisch, doch an der Stelle sprechen die Bilder für sich. Im zweiten Raum taucht der Besucher dann etwas tiefer in die Vereinsgeschichte ein. Unter dem Stichwort „Fußball in den Kohlebergwerken“, gibt es Informationen und Ausstellungsstücke zu den ersten Bergwerksmannschaften zu bestaunen. Wandtafeln und Schaukästen sind viersprachig. Die ausgewählten Tonbeiträge sind in niederländischer Sprache. Durch einen Spielertunnel, der den Einlauf bei einem Heimspiel gegen Anderlecht simuliert, gelangt man auf ein Fußballfeld. Über dem Kunstrasen befinden sich einige Kopfhörer. Dort berichten Spieler auf Niederländisch und Französisch von ihrer Leidenschaft zum Fußball. An der Kopfseite des Raumes befinden sich acht Fernseher, die als Großleinwand von emotionalen Erlebnissen des Fußballs zeugen: Siege, Niederlagen, Tore, Pokalübergaben, Spieler und Trainer flimmern als Dauerschleife über die Bildschirme.

Vom Spielfeld führt der Weg in eine Ärztekammer, die neben einem Medikamentenschrank als spezielles Highlight die interaktive Installation „Medics“ bietet. Dabei handelt es sich um eine „...lebensgroße, stark stilisierte Figur eines Fußballspielers. Wenn der Besucher verschiedene Zonen ihres Körpers berührt, erfährt er, welche Verletzungen dort bei Fußballern vorkommen. [...] Insgesamt vier Stationen um die Figur herum erlauben unabhängig voneinander den Zugang zu diesen Informationen, so dass mehrere Fußballfans gleichzeitig ihr Wissen spielerisch erweitern können. Eine Auswahl zwischen Niederländisch, Französisch, Englisch und Deutsch als Sprache der Installation ist jederzeit möglich.“

Dem Medizinraum folgt ein Speed-Quiz, bei dem die Besucher ihr Wissen über Fußball gegen die Uhr testen können. Im Anschluss an den Wissenstest geht es im folgenden Raum um die Geschichte des Fußballs. Mehrere Wandtafeln erläutern kurz die Entwicklung ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute. Darüber hinaus stehen noch vier Touchscreens zur Verfügung, anhand derer die Besucher Informationen zu Ballsportarten allgemein, internationalen Spitzenspielern, Fußballmodellen in verschiedenen Ländern und Stadien weltweit abrufen können. Natürlich sind auch die beiden zuletzt erwähnten Räume ebenso viersprachig, wie die abschließenden Stationen des Rundgangs. Zunächst geht es um die unterschiedlichen Fantypen, für die jeweils eine kurze Beschreibung vorliegt. Interaktiv kann jeder Besucher herausfinden, welcher Fantyp er ist. Und wer seine Klassenkameraden, Freunde oder die Familie grüßen will, kann dies mit einer Videobotschaft tun, die auch auf der Website des Museums unter dem jeweiligen Besuchstag veröffentlicht wird. Zum Schluss folgt noch ein virtuelles Elfmeterschießen gegen den Gladbacher Torhüter Logan Bailly, der bis 2008 beim KRC Genk spielte. Am Ausgang können sich die Besucher dann je nach Lust und Laune noch an einer der drei Spielkonsolen vergnügen.

GoalMine überzeugt mit seinem interaktiven und mehrsprachigen Konzept. Denn damit ist das Museum nicht nur in Belgien einzigartig. Speziell für Gruppen oder Schulklassen empfiehlt Museumsleiter Jon Hoste eine vorherige Anmeldung, damit eine persönliche Betreuung in der gewünschten Sprache gewährleistet ist. Die passenden Gruppentarife und Einzelpreise finden sich auf der Website. Neben der vorhandenen Ausstellung bietet GoalMine in unregelmäßigen Abständen auch Wechselausstellungen an. Diese und viele weitere gute Ideen zeigen, dass Vereine für ein Fußballmuseum nicht zwingend eine lange Historie, sondern vielmehr die Kreativität und das Engagement der Macher brauchen. In Genk ist dies gelungen.

Kai Endres