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Aruba – ein Eiland mit Fußballtradition
03.01.2008
Trotz seiner geringen Einwohnerzahl finden sich auf der karibischen Insel sämtliche Formen des Fußballs in unterschiedlichen Facetten wieder. Gemessen an den niederländischen Wurzeln eigentlich kein Wunder – und dennoch sehr bemerkenswert.
Un isla feliz (eine glückliche Insel) lautet der Leitspruch Arubas, das unmittelbar vor der Nordküste Venezuelas in der südlichen Karibik liegt. 1499 von Spaniern entdeckt, ging die Insel 1636 in niederländisches Eigentum über. Gemeinsam mit Bonaire und Curaçao gehörte Aruba lange Zeit zu den niederländischen Antillen – auch bekannt als die ABC-Inseln. 1986 wurde das Land unabhängig und ist bis heute ein autonomer Staat innerhalb des Königreichs der Niederlande. Mit seinen gut 72.000 Einwohnern, die sich auf ca. 184 Quadratkilometer verteilen, erwirtschaftet das Land seine Einnahmen vor allem aus dem Ölgeschäft und dem Tourismus. Durchschnittliche Luft- und Wassertemperaturen von annähernd 30 Grad, wenig Regen und keine Gefahr von Hurrikans machen die Insel zu einem Ferienparadies – derzeit vor allem für Amerikaner. Die offiziellen Landessprachen auf Aruba sind Niederländisch und Papiamentu – eine Kreolsprache, die in der Karibik gesprochen wird und sich zum größten Teil aus spanischen, portugiesischen und niederländischen Wörtern zusammensetzt.
Geschichte des Fußballs
Der Fußballsport hielt Anfang des 20. Jahrhunderts Einzug auf Aruba, als niederländische Ordensbrüder, die als Lehrer auf der Insel arbeiteten, erste Jungenmannschaften gründeten. Die erste Herrenmannschaft wurde im Jahr 1908 unter dem Namen Aruba Football Club ins Leben gerufen. Bis zur Gründung eines Landesverbandes ging allerdings noch ein knappes Vierteljahrhundert ins Land. 1932 wurde schließlich der Arubaanse Voetbal Bond (AVB) gegründet, unter dessen Regie fortan die nationalen Meisterschaften ausgetragen wurden. Eine eigene Nationalmannschaft hatte Aruba offiziell nicht, da zu diesem Zeitpunkt nur die niederländischen Antillen Mitglied der FIFA waren. Dennoch fanden seit 1934 Länderspiele einer Inselauswahl Arbuas statt. Der erste Vergleich mit Surinam endetet 1:1. Den größten sportlichen Erfolg verzeichnete die Mannschaft Arubas mit einem 2:2 im Jahr 1954 gegen die Niederlande. In dieser glorreichen Zeit der 50er und 60er Jahre stellten Arubas Kicker mehr als die Hälfte der Nationalmannschaft der niederländischen Antillen. Im Jahr 1960 wurde dann mit der Divison di Honor (1. Liga) und der Division Uno (2. Liga) ein Ligabetrieb eingeführt, der bis zum heutigen Tag Bestand hat.
Der Frauenfußball war auf Aruba bereits Ende der 60er Jahre sehr beliebt. Dieser Boom setzte sich auch in den 70ern fort, als die Sportart vielerorts noch belächelt wurde oder sogar verboten war. So hob der DFB sein Frauenfußballverbot erst 1970 auf. In den 80er und 90er Jahren büßte der Sport an Popularität ein, um sich seit der Jahrtausendwende wieder steigender Beliebtheit zu erfreuen. So gibt es seit 2002 eine Landesmeisterschaft für Frauen und seit dem Jahr 2006 auch eine für Mädchen in den Altersklassen 8–12 und 13–16. Futsal und Beachsoccer werden ebenfalls auf Aruba gespielt. Die Entstehung dieser Sportarten und deren aktuelle Entwicklung ist allerdings kaum dokumentiert. Im Bereich Beachsoccer findet seit dem Jahr 2000 ein jährliches Turnier am Osterwochenende statt.
Aktuelle Situation
Zwei Jahre nach seiner Unabhängigkeit von den niederländischen Antillen wurde Aruba im Jahr 1988 Mitglied der FIFA. Die Zusammenarbeit mit dem Fußball-Weltverband findet dabei auf der Basis des Goal-Programms statt. Im Bereich der Ausbildung von Trainern und Schiedsrichtern gibt es ferner eine Kooperation mit dem niederländischen Fußballverband (KNVB). Derzeit sind 2.100 Spielerinnen und Spieler sowie 50 Schiedsrichter beim AVB registriert. Neben den A-Teams der Frauen- und Männer-Nationalmannschaften gibt es jeweils U-15 bis U-23 Teams. Alle Mannschaften nehmen regelmäßig an Qualifikationen zu regionalen und kontinentalen Meisterschaften teil. Bislang jedoch ohne Erfolg.
Die Topliga – Division di Honor – besteht aus zehn Mannschaften. Der erfolgreichste Club ist der SV Dakota mit 15 Meisterschaften. Zuletzt wurde das Team im Jahr 1995 Champion auf Aruba. Zweiter in der Rekordliste ist der SV Estrella mit 12 Titeln. Im Jahr 2007 hatte der SV Britannia die Nase vorn. Die beiden Erstplatzierten der Divison di Honor qualifizieren sich für den CONCACAF Champions Cup.
Finanziert wird der Fußballsport über Sponsorengelder der Aruban Lottery Co. sowie der Aruban Telecommunication Co. Hinzu kommen noch einige lokale Geldgeber. Die FIFA bringt sich mit Geldern aus ihrem Financial Assistance Programme (FAP) in die Entwicklung des Fußballs auf Aruba ein.
Die Fußball-Infrastruktur ist für eine 30 Kilometer lange und maximal 9 Kilometer breite Insel erstaunlich gut ausgebaut. Bereits in den 40er Jahren wurde das erste Stadion gebaut. Die beiden Spitzenligen tragen ihre Partien im Guillermo Prospero Trinidad Stadium und Frans Figaroa Stadium aus, da diese beiden Stadien über die einzigen Rasenplätze auf Aruba verfügen. Daneben existieren noch weitere Hartplätze, auf denen die übrigen Spiele stattfinden.
Gesellschaft und Medien
Fußball ist auf Aruba vor Baseball der beliebteste Mannschaftssport. Speziell bei den Kindern der Einwanderer ist der Sport sehr populär, sei es im Verein oder in der Freizeit. Es existiert auch eine Fankultur. Traditionell sind SV Estrella und SV Dakota sehr beliebte Teams. SV Britannia, der amtierende Meister, hat in den letzten Jahren durch seinen sportlichen Erfolg in der Gunst des Publikums aufgeholt. Dafür kann sich der Arubaner kaum für seine Nationalmannschaft begeistern, die als eine von sieben Mannschaften Ende 2007 mit 0 Punkten das untere Ende der FIFA-Weltrangliste ziert. Bei Weltmeisterschaften kocht die Stimmung auf Aruba trotzdem hoch, weil die Insulaner entweder mit Brasilien oder den Niederlanden zittern. Der mit Abstand beste Fußballer Arubas ist Hedwiges Maduro, dessen Vater von der Insel stammt. Derzeit steht Maduro bei Ajax Amsterdam unter Vertrag und hat sich dort als Stammspieler im defensiven Mittelfeld bis in die niederländische Nationalelf gespielt.
Neben seiner gesellschaftlichen Präsenz ist der Fußball auf Aruba auch medial vertreten. Zwei Fernsehsender, vier Zeitungen und 15 Radiostationen berichten regelmäßig über den nationalen und internationalen Fußball. Weltmeisterschaften, Copa America, die Champions League oder auch die Copa Libertadores werden im Fernsehen übertragen. Als Favoriten unter den europäischen Ligen gelten die spanische Primera Division und die italienische Serie A. Darüber hinaus wird nach dem Ende der Meisterschaft jährlich ein Fußballer des Jahres auf Aruba gewählt.
Kai Endres
Die Redaktion bedankt sich an dieser Stelle bei Egbert Lacle, durch dessen Antworten auf unsere Fragen dieser Bericht erst möglich wurde. Herr Lacle ist seit 2005 Generalsekretär des AVB.
Letzte Aktualisierung: 2012-02-16 15:34:46 +0100 (CET)
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