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UEFA Cup Saison 2006/2007

1. Runde | 2. Runde | 3. Runde | Achtelfinale | Viertelfinale | Halbfinale | Finale

Spanische Dominanz

Vier Vertreter hatte die Primera Division in den UEFA Cup geschickt, von denen sogar drei bis ins Halbfinale vorstießen. Dort konnte auch Werder Bremen das rein spanische Endspiel zwischen Espanyol Barcelona und dem FC Sevilla nicht verhindern.

Für die deutschen Vereine klafften vor allem in der ersten Runde Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Mit hohen Erwartungen waren Hertha BSC Berlin und der FC Schalke 04 in eine internationale Saison gestartet, die für beide unerwartet früh endete. Während sich die Hauptstädter gegen Odense BK redlich blamierten, bekamen die Knappen gegen AS Nancy-Lorraine praktisch kein Bein auf den Boden. Viel Glück benötigte auch Bayer Leverkusen, um den FC Sion in letzter Sekunde ins eidgenössische Tal der Tränen zu schicken. Positiv aus deutscher Sicht machte nur Eintracht Frankfurt auf sich aufmerksam. Ein Hattrick von Thurk sorgte bereits im Hinspiel für einen klaren 4:0-Erfolg gegen Bröndby IF, der im Rückspiel souverän verteidigt wurde. Zu Beginn der Gruppenphase stand die Bundesliga damit auf einer Stufe mit der Jupiler League (Belgien), Super League (Schweiz), Ligat Ha'al (Israel), Divizia Nationala A (Rumänien) und Süper Lig (Türkei).

Die als Gruppenphase ausgespielte zweite Runde lieferte abgesehen von einigen Ausnahmen die erwarteten Resultate. Überraschend war sicher das Ausscheiden von AJ Auxerre und US Palermo. Dagegen bewegte sich das Abschneiden der deutschsprachigen Nachbarn fast schon im Rahmen der ohnehin kaum vorhandenen Erwartungen. Austria Wien, Grasshopper Zürich und der FC Basel belegten jeweils die letzten Plätze in ihrer Gruppe. Einen Totalausfall erlebte auch die tschechische Gambrinus Liga. Weder Slovan Liberec noch Sparta Prag oder Mlada Boleslav schafften den Einzug in die dritte Runde.

Die deutschten Vertreter machten es jeweils spannend bis zum letzten Spieltag. Die Frankfurter Eintracht zog sich angesichts des überraschenden Einzugs in den UEFA Cup achtbar aus der Affäre, kam jedoch gegen Newcastle United, Celta Vigo, Fenerbahçe İstanbul und US Palermo nur maximal zu Punkteteilungen, was das Ausscheiden zur Folge hatte. An der mangelnden Einstellung ließen es die Hessen im Vergleich zu den bereits ausgeschiedenen Bundesligisten jedenfalls nicht fehlen. Für Bayer Leverkusen schien das Weiterkommen lange Zeit fraglich. Denn dem Unentschieden beim FC Brügge folgten Niederlagen gegen Tottenham Hotspur und Dinamo Bukarest. Dennoch hatte die Werkself ihr Schicksal im letzten Heimspiel gegen Beşiktaş İstanbul noch selbst in der Hand. Nach hartem Kampf gelang Leverkusen ein knapper 2:1-Erfolg, der den Verbleib auf dem europäischen Parkett sicherte.

In die dritte Runde wurde Bayer von Werder Bremen begleitet, die nach ihrem Abstieg aus der Champions League die erste Hürde im UEFA Cup (Ajax Amsterdam) nur mit viel Mühe übersprangen. Nicht viel einfacher machten es sich die Leverkusener. Nach einem mühsamen 3:2-Hinspielsieg ergatterte die Skibbe-Elf bei den Blackburn Rovers ein torloses Remis, das die Tür zum Achtelfinale öffnete. Weniger erfolgreich verliefen die Spiele für die letzten italienischen Vertreter Livorno Calcio und den FC Parma. Die zweite Garde aus dem Land des Weltmeisters genügte in dieser Saison keinen höheren internationalen Ansprüchen. Ähnlich verlustreich ging es auch in einigen europäischen Hauptstädten zu. Sowohl in Moskau (ZSKA/Spartak) als auch in Bukarest (Dinamo/Steaua) und Athen (AEK/Panathinaikos) trugen gleich zwei Fanlager Trauer. In voller Besetzung blieben nur die spanischen Vereine dem laufenden Wettbewerb erhalten.

Im Achtelfinale schwangen sich Werder Bremen und Bayer Leverkusen zu deutlichen Leistungssteigerungen auf. Werder fertigte Celta Vigo ab, während Bayer mit zwei starken Auftritten den RC Lens aus dem Rennen warf. In den übrigen Begegnungen stachen erneut die guten Darbietungen der spanischen Clubs hervor. So fand die unglaublich erfolgreiche Reise von Maccabi Haifa bei Espanyol Barcelona ein Ende. Derweil musste Glasgow Rangers seinen Traum von internationalen Weihen bei CA Osasuna begraben. Kurz vor dem Abflug stand Titelverteidiger FC Sevilla bei Schachtjor Donezk. Erst in der letzten Minute der regulären Spielzeit des Rückspiels gelang dem mit nach vorne geeilten Torhüter der Spanier das rettende Tor für die Verlängerung, in der die Andalusier schließlich das bessere Ende für sich hatten.

Auch im Viertelfinale ließ die spanische Armada nichts anbrennen. Titelverteidiger FC Sevilla zeigte Tottenham Hotspur die Grenzen auf, Espanyol Barcelona zitterte sich bei Benfica Lissabon in die Vorschlussrunde und CA Osasuna sorgte gegen Leverkusen früh für klare Verhältnisse. Ein 0:3 vor eigenem Publikum machte das Rückspiel in Spanien für Bayer zu einer internationalen Kaffeefahrt. Von der spanischen Dominanz vermochte nur Werder Bremen abzulenken, denen nach einem torlosen Remis beim AZ Alkmaar ein souveräner 4:1-Erfolg im Weser-Stadion gelang.

Deutlicher als erwartet setzte sich Espanyol Barcelona im Halbfinale gegen Werder Bremen durch. Je ein Platzverweis in Hin- und Rückspiel (Wiese/Klose) brach den Norddeutschen das Genick. Hinzu kam eine ganz schwache Vorstellung in der katalanischen Hauptstadt, die Werder eine bittere 0:3-Schlappe einbrachte. Das erhoffte Wunder von der Weser blieb beim Wiedersehen aus. Knapp zwei Jahrzehnte nach der Finalniederlage im Elfmeterschießen gegen Bayer Leverkusen konnte Espanyol Barcelona nun den verpassten Sieg im UEFA Cup nachholen. Allerdings wartete mit dem FC Sevilla ein aus der Primera Division bestens bekannter Brocken. Die Andalusier gingen den vorletzten Schritt in Richtung Titelverteidigung über CA Osasuna.

Der letzte Schritt zur ersten Titelverteidigung des UEFA Cups seit 1986 (Real Madrid) war von großer Dramatik geprägt. Nachdem Sevillas Keeper Palop seine Farben schon im Achtelfinale auf Kurs hielt, avancierte der Schlussmann im Endspiel endgültig zum großen Helden. Trotz langer Unterzahl (Gelb-Rot für Moisés Hurtado, 68.) zwang Espanyol Barcelona den in der Liga deutlich besser platzierten Gegner ins Elfmeterschießen. Dort war es dann Palop, der den Nervenkrieg gleich gegen drei Kontrahenten gewann, um anschließend in ausgelassener Jubelpose in seine Fankurve zu stürmen.

Kai Endres